A'vron - Der Beobachter - Herbst 2007
Vorwort - von Mericus Damodred
Der Sommer ist nun definitiv vorbei und auch der Herbst hängt diesmal stärker am Winter als am Sommer fest. In den letzen Wochen konnte man überall in den Geschäften verschiedene Gruselwahren besichtigen, oder besser gesagt kaufen. Schon seid Wochen liefen die Vorbereitungen für ein Fest, das sich mittlerweile recht gut bei uns etabliert hat: Halloween.
Leider hatte ich dieses Jahr nicht das Vergnügen an einem meiner Lieblingsfeste teilzunehmen, da mich berufliche und private Ereignisse gezwungen haben - und leider immer noch zwingen - wenig Zeit für Da´Shadar Corenne übrig zu haben. Wie so oft hat das Muster etwas bestimmtes mit einem vor. Plötzlich steht man vor Tatsachen mit denen man niemals gerechnet hätte. Im Freundeskreis passiert was, mit dem man in diesem Alter niemals damit rechnet. Auf einmal tauchen Fragen auf, Dinge mit denen man sich selten oder fast nie beschäftigt hat. In ähnlicher Weise ging es auch der Familie von Robert Jordan. Sein Tod kam zwar überraschend aber nicht so plötzlich, dass er sich nicht mehr verabschieden konnte.
Während der Zeit seiner Krankheit änderte sich sein Leben. Ihm und seiner Familie waren auf einmal Kleinigkeiten wichtig. Sachen die sonst im Alltag wenig Platz finden. Ein Besuch ist immer schön, doch hat er meistens den Zweck der Unterhaltung, gemütlichen Geselligkeit.
Ein Krankenbesuch weißt meistens etwas anderes auf. Man sieht den Freund, Bekannten oder das Familienmitglied in einer Umgebung und Situation, die man sonst nicht sieht. Auf einmal redet man nicht über irgendwelche Stammtischgeschichten, sondern versucht den Patienten aufzumuntern. Mut machen damit er schnell wieder gesund wird;
Auch ein gesprochenes "Wir brauchen dich" hat für einen Kranken Menschen eine weit höhere Bedeutung als wenn man es im normalen Alltag sagt. So zumindestens ist es uns im meinem Freundeskreis vorgekommen.
Und ich denke sowas hat James auch geholfen, die letzten Jahre zu überstehen. Hoffnung, Liebe, die Geborgenheit der Familie und auch die Gemeinschaft.
Im diesen Sinne wünsche ich, dass dieses Forum zu so einer Gemeinschaft wird. Zum Teil ist es schon der Fall. Wie auch hier im A´vron. Mein Team hat sich dieses mal wieder richtig Mühe gegeben und jeder hat am gleichen Strang gezogen und es ermöglicht diese Zeitung zu erstellen.
Im diesen Sinne gilt mein besonderer Dank dem A´vron Team, das nicht nur IHREN Part, sondern zum größten Teil auch meinen Part übernommen haben.
Auch ist es mir eine Freude, dass so viele an unserem ersten Schreibwettbewerb teilgenommen haben. Ich denke sowas können wir ab und an wiederholen.
Euch liebe Leserinnen und Leser wünsche ich viel Vergnügen mit der Herbstausgabe des A´vron, der Forenzeitung von Da´Shadar Corenne.
Mit freundlichen Grüßen
Mericus Damodred
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Community News - von Berior Alaeyn
Die Tage werden immer kürzer, draußen ist es oft nebelig und kalt - was bietet sich da mehr an, als sich in der großen Bibliothek mit einem Becher gewürzten Wein vor das prasselnde Kaminfeuer zu setzen, und über die vergangenen Monate nachzudenken?
Ja, der Herbst ist ins Land gezogen und es wird auch wieder Zeit für unsere Community News. Blickten wir das letzte Mal auf die bevorstehende Revision der Verfassung, so können wir heute auf diese produktive Zeit zurückblicken. Eine Zeit, in der sich ein Großteil der User aktiv um die Zukunft von DSC Gedanken gemacht hatte – und die Ergebnisse können sich sehen lassen:
Die Veränderung die wohl am meisten ins Auge sticht, ist dass wir die Ajah- und Valdaraufgaben abgeschafft haben. Wichtige Aufgaben in unserer Community sind nicht länger an einzelne Gruppen gebunden, sondern werden von einzelnen Komitees übernommen, die sich aus allen Gruppen, Pfaden und Rängen zusammen setzen. Damit ist einerseits gewährleistet, dass sich jeder der das möchte in irgend einer Form einbringen kann, und andererseits verhindern wir damit, dass jemand eine Ajah oder Valdar nur deshalb nicht wählt, weil er sich mit ihrer Aufgabe nicht identifizieren kann.
Auch die Erhebungsprüfungen gestalten sich in Zukunft anders; Liegt beim Test zum Aufgenommenen/Aethan der Fokus auf der Beantwortung von Fragen zu unserer Community, so ist beim Test zum Aes Sedai/Behüter die so genannten soft skills gefordert. Mehr sei dazu aber an dieser Stelle nicht verraten.
Neben diesen wichtigen Veränderungen gab es noch eine Reihe kleinerer Adaptionen auf die ich hier ebenso nicht eingehen möchte. Dem interessierten Leser sei der Thread im Ankündigungsforum nahegelegt.
Das zweite große Ereignis, das uns alle berühren sollte war die Nachricht vom Ableben von James Oliver Rigney, Jr. - den meisten von uns besser bekannt unter seinem Pseudonym Robert Jordan.
Am frühen Nachmittag des 16. September 2007 verstarb der von uns allen hoch geschätzte Autor der Buchserie, die uns letztendlich hier alle vereint hat, an den folgen einer schweren und seltenen Krankheit. Die Nachricht erreichte die Fans in Europa in den frühen Morgenstunden des Folgetages.
Anlässlich seines Geburtstages am 17. Oktober – James wäre an diesem Tag 59 Jahre geworden – wurden weltweit Gedenktreffen veranstaltet. Die deutsche Gemeinschaft beging diesen Tag mit einem gemeinsamen Chat der beiden großen deutschsprachigen Foren: www.radderzeit.de und DSC
Auf Grund der großen Beteiligung und der positiven Stimmung die dieses gemeinsame Event erzeugte, wurde beschlossen den Gedenkchat am 17. Oktober auch im nächsten Jahr zu wiederholen.
Doch der September war auch von erfreulichen Dingen geprägt – so fand Anfang des Monats das dritte DSC Forentreffen statt. Dieses Mal ging es zum Zelten nach Thüringen. Ein detaillierter Tatsachenbericht von unserer Blitzreporterin Mina kann auf den Folgeseiten nachgelesen werden.
Aktuell stecken wir mitten in den Feierlichkeiten rund um Halloween. Im Zuge der Revision haben wir eine Abfolge an Festen beschlossen, die wir alle gemeinsam hier bei uns auf DSC begehen wollen. Für den Herbst bietet sich diese vormals keltische Tradition, die über den Umweg nach Amerika zu uns zurückgekehrt ist, ja gerade zu an. Das Forum wurde dekoriert, Avatare und Signaturen wurden verändert, und anstelle der normalen friedliebenden (:look) Bevölkerung ziehen dieser Tage Horden von gar abscheulichen Kreaturen durch die Hallen und Flure der Weißen Burg und die Gassen der Stadt. Genießen wir gemeinsam die letzten Tage dieses Events, bevor der Normalzustand wieder zurückkehrt.
Die nächsten Monate scheinen ruhig zu sein, doch wie so oft könnte auch dieses Mal der Schein trügerisch sein, denn niemand weiß was als nächstes auf uns zukommt – oder hatte zufällig jemand in letzter Zeit eine Prophezeiung gemacht?
Andererseits ist es sicher für den einen oder anderen eine Wohltat, wenn er dem vorweihnachtlichen Stress einmal ein wenig entfliehen kann, und spätestens gegen Ende des Jahres, wenn der Wahlkampf um das Amt des Junior Member Vertreters erneut entflammt, sollte es wieder genug Aufregung für alle geben. ^^
In diesem Sinne – einen schönen Herbst und bis zum Winteravron,
Berior Alaeyn
Hüter der Chroniken
Aes Sedai der Braunen Ajah
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A'vron Schnellmeldungen - von Mina Sogani
30.07. Die Weiße Burg
Unsere geliebte Aes Sedai Choirn al’Bharuia und ihr Gaidin Takara Nimodo sind unter mysteriösen Umständen verschwunden. Wer weiß, was die beiden zusammen machen. Kommt bald zurück ihr beiden!
15.09. Die Weiße Burg
Im Zuge der Modernisierung unserer Burg, möchten wir eine Flagge mit einem neuen Design. Die Künstler malten eifrig und unter den Entwürfen waren auch Flaggen, für den Christopher Street Day in einer der Parallelwelten unserer Welt. Allerdings wurde für unsere Burg wohl noch nicht das richtige gefunden.
16.09. Die Goldene Krone
Verin Sedai und die Herrin der Novizen haben zusammen ein „Wochenquiz“ entworfen. Dieses dient zum abschätzen des Wissens der Novizen und Rekruten um damit die Zeit ihrer Erhebung und ihr Schicksal in der Burg zu bestimmen.
17.09. Die Weiße Burg
Lyuna Ishizu, die unter seltsamen Umständen die Burg verlassen hatte, ist zurückgekehrt. Als Strafe für ihr langes Fortbleiben wurde sie zur Aufgenommenen degradiert.
24.09. Die Weiße Burg
Im Zuge der Revision und Modernisierung wurden die Kunstgalerie und das Theater abgerissen und an selber Stelle mit ungeheurer Schnelle ein „Haus der Künste“ gebaut. Außerdem wurde eine Werkstatt errichtet, in der Rekruten und Novizen Reparaturarbeiten an den Türen der Aes Sedai und Behüter vornehmen mussten.
27.09. Die Weiße Burg
Makani Valur, einst Grüne, hatte sich entschlossen ihre Ajah zu wechseln. Da dies Aes Sedai nicht gestattet ist, hat sie Gerüchten zufolge die Amyrlin so lange beleidigt, bis diese genug hatte und sie zur Aufgenommenen degradiert. Die somit erfolgreiche Makani Valur hat sich sofort der Roten Ajah als Gastmitglied angeschlossen.
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Nachruf auf Robert Jordan - von Nocturna Nin'Stellar
Anfangs war ich begeistert von der Idee, dass gerade ich den Nachruf für Robert Jordan schreiben soll. In einem übermächtigen Gefühl des Geehrtseins sagte ich zu, ohne dass ich darüber nachgedacht hätte. Mir wurde dann aber relativ schnell klar, was ich mir da eigentlich eingefangen hatte. Nämlich ein riesiges Problem. Wie ehrt man gebührend einen Menschen, der so Großartiges vollbracht hat? Wie schreibt man viele Zeilen über jemanden, den man nicht einmal persönlich gekannt hat? Und was zur verdammten Hölle ist eigentlich ein Nachruf?
Bei Wikipedia lernt man, dass Nachruf tatsächlich Nekrolog heisst und die Würdigung des Lebenswerkes eines kürzlich Verstorbenen ist. Die Aussage "Bei Prominenten erscheint der Nachruf meist in Zeitschriften oder Zeitungen" lässt mich wild nickend vor dem Rechner sitzen und sagt mir, dass ich auf der richtigen Spur bin. In einem Überschwung von Arroganz zähle ich den A'vron einfach mal zu dieser Gattung dazu. Als ich dann allerdings bei der Kategorie "Siehe auch" auf Todesanzeige und Totenschein stoße, drücke ich das mächtige X oben rechts und lasse Wikipedia in den Tiefen meines Verlaufs verschwinden. Mit soetwas möchte ich nichts zu tun haben.
Prima, die große Internetintelligenz hat mir also nicht wirklich weiter geholfen und so sitze ich um 7 Uhr morgens (an einem Feiertag) nur mit einer Decke bekleidet und einem Handtuch auf den nassen Haaren vor dem Laptop und sehe ständig auf die Uhr, da ich um halb neun zum Frühstücken verabredet bin. Ab und an rattern Zeitberechnungen durch meinen Kopf, die mir sagen, ich kann vor dem Haarefönen noch ein paar Zeilen auf den Bildschirm zaubern und komme dennoch rechtzeitig. Wie immer bin ich mit meinem Beitrag extrem spät dran, aber ich werde in der Kategorie "Deadline? Sowas kenn ich überhaupt nicht! Ich mache immer alles sofort!" mit Sicherheit jedes mal den letzten Platz belegen. Und bei dieser Ausgabe verfolgt mich mein Thema sowieso schon seit Vergabe wie ein grosser Schatten, der mir förmlich intuitiv zuschreit "WARTE DAMIT BIS ZUM LETZTEN TAG!".
Um diese Uhrzeit wäre ein Telefonjoker reichlich unverschämt und die kurzen 30 Sekunden würden vermutlich sowieso ohne sinnvollen Wertgehalt einer Aussage vergehen. Ich fürchte fast, dass ich mich tatsächlich selbst mit dieser Fragestellung beschäftigen muss. Was ist ein Nachruf? Bisher habe ich, bis auf wenige Ausnahmen, keinerlei Bekanntschaft damit gemacht. Man ruft dem Pizzajungen, der gerade mit dem Motorroller um die Ecke verschwindet, nach, dass der Belag am Deckel des Kartons klebt oder dem wild flüchtenden Ehepaar, dass der Hund wirklich nur spielen will, aber was ruft man einem Verstorbenen nach und wer kommuniziert denn heutzutage noch mit Toten? Liegt die Antwort bei einer bunt gekleideten, alten Frau, die die Hälfte ihres Lebens im dunklen Zelt vor einer Glaskugel verbringt? Und was noch viel wichtiger ist: Hat die Alte ein Telefon und ist sie um diese Uhrzeit schon wach?
Mit diesen Gedanken im Kopf gehe ich erst mal frühstücken, um mich abzulenken. Die 3,5 Stunden belangloses Gelaber befreien unheimlich und so sitze ich kurz nach Mittag wieder hier und versuche mich auf das Wesentliche zu besinnen. Obwohl die alte Frau mit der Kugel nun sicher schon bereit für ein Telefonat wäre, bin ich fest entschlossen, das Problem Nachruf in wenigen Stunden ad acta zu legen. Juristen machen das eben so. Schnelle, fundierte Entscheidungen sind gefragt. Klappern wir doch mal meine Befähigungen ab. Was kann ich besonders gut? Talente: Abschirmen, Ter'Angreale herstellen und Schnelles Reisen. Bisherige journalistische Meisterwerke: Interviews.
Hervorragend....So - oder ziemlich anders - hab ichs mir vorgestellt. Wenn DAS keine Basis ist!
Okay Leute, da müssen wir jetzt durch. Nach einer DIN A4 Seite belangloses Gedankenwirrwar springen wir nun mitten ins Geschehen! Achtung, festhalten, es geht los!
Die Sonne unternimmt bereits erste, zaghafte Versuche, das Arbeitszimmer der Grünen Sitzenden in Beschlag zu nehmen, während die Tristesse der vergangenen Nacht noch immer eisern bemüht ist, Boden zu halten. Die Aes Sedai sitzt zusammen gesunken an ihrem Schreibtisch, Erschöpfung ist ihr deutlich anzusehen. Mit ihren Händen hält sie einen kleinen Gegenstand umklammert. Bei genauerer Betrachtung erkennt man eine Schlange, die ihren eigenen Schwanz verschlingt. Das Symbol der Wiederkehr glänzt matt im Sonnenlicht und bewegt die Sitzende zu einem Lächeln. Es erschien ihr nur angemessen, diese Form zu wählen. Für manche Ter'Angreale ist die äußere Erscheinung offenbar für die Funktionalität maßgeblich, so dass sich die Form wie von selbst bildet. Andere hingegen weisen keine solche Verknüpfung auf und es ist möglich, gestalterisch tätig zu werden. Die Sitzende hatte gehofft, dass es sich hierbei um einen "freien" Herstellungsprozess handeln würde, was man vorab aber nie sagen konnte. Im Grunde war sie nicht eimal sicher, ob die Form von ihr selbst oder vom Ter'Angreal bestimmt wurde, da ihr Talent aus dem Unterbewußtsein heraus gelenkt wurde.
Nach einem kräftigenden Frühstück und einem kurzen Gespräch mit dem Sitzenden der Grauen kehrt die Aes Sedai zurück in ihr Zimmer und holt die Schlange wieder aus dem kleinen Kästchen hervor, das auf ihrem Schreibtisch steht. Mit einem langen Atemzug ergreift sie die Macht und lenkt ein wenig davon in den Ter'Angreal hinein. Fast augenblicklich verschwindet das Zimmer um sie herum und die Frau wird von einem Gefühl erfasst, das am Besten als eine Art Wegreissen zu beschreiben ist. Sie empfindet das als sehr passend und befriedigend, denn es beweist, dass die Herstellung des Ter'Angreals erfolgreich war. Einen Moment später befindet sie sich auf einer Plattform, die in unendlicher Leere schwebt. Ein leichter Schauer läuft der kleinen Frau den Rücken hinab. Die Gewissheit, sich zwischen zwei Umdrehungen zu befinden, ist sowohl aufregend, als auch furchteinflössend. Die Frage, ob sie in menschlicher Gestalt ins nächste Leben eintreten könnte, falls sie es nicht schaffen würde, in ihr altes zurückzukehren, schiebt sie vehement zur Seite. Ein guter Journalist tut ALLES für eine reisserische Story!
Nach einer Weile setzt sie sich instinktiv auf die Plattform, schließt die Augen und denkt an Robert Jordan. Das Gefühl für Zeit scheint hier nicht zu existieren - was eigentlich auch nicht verwunderlich ist, immerhin befindet man sich hier genau zwischen den Fäden des Musters. Schließlich öffnet sie die Augen wieder und sieht, wie eine zweite Plattform heranschwebt. Beim Anblick des grossen Mannes mit dem Bart und der altmodischen Brille macht ihr Herz einen Sprung und bevor er überhaupt bei ihr angekommen ist, zückt sie bereits ihren kleinen Schreibblock und einen kurzen Bleistift, der fein säuberlich gespitzt wurde. Zu ihrem Erstaunen macht er bei seiner Ankunft keinerlei Anstalten, zu fragen, wer sie sei oder warum sie ihn hier, auf seiner Reise zur nächsten Wiedergeburt, störe. Er sagt schlicht und einfach "Hallo" und schenkt der Aes Sedai ein gütiges Lächeln, während ihr das Herz bis in den Keller rutscht und sie sicher ist, dass die Erfindung der menschlichen Sprache wohl erst bei der nächsten Umdrehung stattfinden wird.
Noc: Eeerrmm....Sie kennen mich vermutlich nicht, aber Sie wissen bestimmt, wer ich bin, schließlich haben Sie mich erschaffen, also...nicht mich persönlich, eher was ich bin...erm....oder was ich kann...ehhh...Sie sind doch Robert Jordan, richtig?
RJ: *auf ein kleines Namensschild am Revers seines Hemds deut* Read and find out.
Noc: Entschuldigung, ich bin etwas...aufgeregt. Also nicht, dass Sie denken, das wäre mein erstes Interview! *abtuende Geste mach* Nein, nein, ich war schon bei den ganz Großen. Amyrlin, Hüter der Chroniken, pff...war alles kein Problem. Gut, der Hüter war etwas störrisch, aber das ist ja ganz typisch für die Braunen. *lach*
RJ: Ich mag die Braunen.
Noc: *rot werd* Ja, ja, ich auch. Wirklich. Die Erfindung an sich ist ja nicht schlecht, in letzter Zeit wurde es allerdings bei uns daheim in der Burg diesbezüglich etwas überpopuliert. Sie wissen ja, die Grünen sehen alles gleich als Bedrohung an.
RJ: Da haben sie auch allen Grund zu. Immerhin steht die letzte Schlacht kurz bevor!
Noc: Erm...nein, nein, die war doch erst vor 500 Jahren. Gut, der Schatten kehrt leise wieder zurück, aber Tarmon Gai'don ist doch noch weit entfernt. *näher ranrück und flüster* Oder wissen Sie mehr, als ich?
RJ: Ich weiss alles, schließlich bin ich soetwas wie der Schöpfer Deiner Welt.
Noc: Aber wie kann das sein? Wir haben weder die Zeichen gesehen, noch den Wiedergeborenen Drachen gefunden!
RJ: Der Wiedergeborende Drache heisst Rand Al'Thor und wird zusammen mit seinen Freunden, Matrim Cauthon und Perrin Aybara, die letzte Schlacht schlagen.
Noc: *notier* Irgendwie kommen mir die Namen bekannt vor. Vermutlich habe ich die drei schon einmal in Tar Valon getroffen. Danke für den Tipp! Und was ist mit den Prophezeiungen?
RJ: Hast Du nicht bemerkt, dass die Aiel bereits in die Welt gezogen sind?
Noc: Jetzt, wo Sie es sagen....die Amyrlin nahm sich einen von denen als Behüter. Ich dachte, das wäre eine Ausnahme. Ich halte nicht viel von diesen Wüstenläufern. Viel zu knochig und ein Schwert können Sie auch nicht halten. Vermutlich muss die Amyrlin nicht nur sich selbst, sondern auch noch ihren Aiel behüten. *lacht*
RJ: Die Aiel sind sehr gute Kämpfer und den meisten Männern mit Schwertern überlegen.
Noc: Ach wirklich? Aber deswegen sind sie noch lange keine guten Behüter! Glauben Sie mir, da kenne ich mich aus! Ein Gaidin muss mehr können, als kämpfen! ... Habe ich das jetzt wirklich gesagt?
RJ: Ja.
Noc: *kramt in ihrer Tasche nach dem Blitzdings-Ter'Angreal*
RJ: *steckt sich eine Pfeiffe an* Wieviele Fragen hast Du denn noch? Ich unterhalte mich zwar gerne mit Dir, aber ich fürchte, dass mein nächstes Leben bereits wartet. Weisst Du, dieses Nichtstun ist einfach nichts für mich. Ich muss langsam wieder arbeiten.
Noc: Aber wenn Sie wiedergeboren werden, sind Sie doch ein kleines Kind!
RJ: Die Rechnung ist ganz einfach! Das letzte mal habe ich mit vier Jahren angefangen, zu lesen und erst mit 45 "Wheel of Time" begonnen. Wenn ich im nächsten Leben schon mit vier schreiben könnte, würde ich es - unter der Annahme einer gleich langen Lebenszeit - theoretisch schaffen, einen WOT-Zyklus zu schreiben, der mindestens 33 Originalbände umfasst und sogar ein Ende hat!
Noc: *von RJs Rechnung etwas verwirrt* Öhm, ja. Ein guter Vorsatz. Das bedeutet aber, dass ich 24 Jahre länger lesen müsste. Außerdem hätten wir dann über 6600 Charaktere. Meinen Sie nicht, das wäre etwas viel?
RJ: Nein, das erhöht nur die Anzahl der Spekulationen, wenn Asmodean das nächste mal getötet wird.
Noc: Ja, wer war es denn nun eigentlich?
RJ: Der Mörder.
Noc: Sie hätten Jurist werden können...
RJ: Nein danke, ich glaube an das Gute im Menschen.
Noc: Und deshalb sind Sie Physiker geworden?
RJ: Ja, ich wollte dessen Existenz beweisen.
Noc: Hat nicht geklappt, was?
RJ: Sagen wir es so....irgendwann empfand ich es als sinnvoller, Bücher zu schreiben.
Noc: *grinst* Verstehe.... *bemerkt, wie sich die Figur von RJ langsam verändert und zu einer kleinen Kugel aus bunter Energie wird, die puslierend wächst und schrumpft* Oh, es sieht so aus, als müssten Sie los!
RJ: Ja, sieht ganz danach aus. Ein erfrischendes Gefühl. Ich wünsche viel Glück auf der Rückreise und viel Erfolg mit der Veröffentlichung des Interviews. Danke, dass Du meine Bücher gelesen hast.
Die kleine Kugel löst sich in friedlicher Stille von der Plattform und reist durch die Leere auf ein neues Leben zu.
Noc: *nachruf* Ich danke Ihnen für Ihr großartiges Meisterwerk, das mich so viele Jahre unterhalten und mit vielen Menschen, die ich sonst nie kennen gelernt hätte, zusammengebracht hat! Ich freue mich schon auf die nächste gemeinsame Umdrehung!
Die Aes Sedai zieht den Ter'Angreal aus der Tasche und ein paar Augenblicke später ist sie wieder wohlbehalten in ihrem Arbeitszimmer zurück. Besonnen starrt sie auf ihren Notizblock, der sich umfassend gefüllt hat und ruft dann nach einer Novizin, welche die Aufzeichnungen zum A'vron bringen soll. Seit Robert Jordan sie verlassen hat, fühlt sie sich seltsam einsam. Es war eine beeindruckende Begegnung gewesen, die sie niemals vergessen und immer schätzen wird, denn seine Worte haben ihr eine ganze Welt erschaffen, die zu einem großen Teil ihres Lebens geworden ist. Überaus dankbar lenkt sie einen kleinen Strang Feuer in den Ter'Angreal, um ihn unbrauchbar zu machen. Zufrieden betrachtet sie die Schlange, das Symbol der Unendlichkeit und Wiederkehr, und weiss, dass Robert Jordan ewig leben wird.
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Bericht übers FT 07.- 09.09.
Zeltlager in der Probstei Zella - von Mina Sogani
Das Zeltlager FT ging vom 07. September bis zum 09. September. Wir trafen uns im idyllischen Teilörtchen Probstei Zella. Nachdem ich am Flughafen Schönefeld schon Kai und Cadim kennen gelernt und den Donnerstagabend mit ihnen verbracht hatte, war ich schon gespannt auf die anderen. In Halle holten wir Dain von der Schule ab, lernten seine Eltern kennen und düsten dann mit dem Mietwagen weiter, immer dem FT entgegen. Auch mit Dain verstand ich mich super und so wurde es eine sehr lustige Fahrt. Je näher wir unserem Bestimmungsort kamen, desto kurvenreicher wurde die Fahrbahn, was mir später zu leichten Magenproblemen verhalf.
In Zella und auf dem Zeltplatz angekommen sahen wir schon einige der anderen, wie sie sich bei ihren Zelten tummelten. Insgesamt waren wir Fünfzehn, die am FT teilnahmen. Luthien Dar’faleh, Devon dur'Nathenos, Nocturna Nin’Stellar, Verin Minly, Lasimya Eldundold, Nienna Eärfalas, Takara Nimodo, Choirn al’Bharuia, Negant Mor Nantones, Nila Corè, Kai Newkith, Aldain Niennor, Cadim Mertanoran, Suandin Avarath und ich natürlich, Mina Sogani auch als „Ghost“ oder „Überraschungskeks“ bekannt. Dann begann das Begrüßungsknuddeln. Ich wollte mich vor Verin in Acht nehmen, denn ich hatte sie ziemlich aufs Kreuz gelegt, aber sie freute sich nur, dass ich da war. Außerdem wurden die Clubshirts verteilt, die meisten zogen sie sich sofort über. Nach der Begrüßungszeremonie stellten wir weiter die Zelte auf. Als alle Zelter da und die Zelte fertig aufgebaut waren, standen sie in folgender Reihenfolge: Devon, einzeln, Nocturna, einzeln, Cadim, einzeln, Verin und Lasimya, Zweierzelt, das Speerschwesternzelt mit Nienna und mir, , Nila und Neg das „Aes Sedai und Behüterzelt“ von Choirn und Takara und schließlich Kai, Suandin und Dain.
Nachdem alles fertig war wurde auch unsere „Weiße Burg“ aufgebaut und die „Flamme von Tar Valon“ angezündet. Schließlich beschlossen wir erst einzukaufen und dann Suandin vom Bahnhof abzuholen. Einige blieben bei unserem Zeltlager, da sie nicht einzukaufen brauchten. Der Rest quetschte sich in zwei Autos und los ging es nach Eisenach. Dort fanden wir einen Supermarkt, der trotz leicht vorgerückter Stunde noch offen hatte. Wir alle stürmten den Supermarkt, unsere T-Shirts zeigten, dass wir irgendwie zusammengehören und wir zogen die Aufmerksamkeit einiger anderen Kunden auf uns, die uns mit seltsamen Blicken bedachten. Wir packten nicht nur Grillfleisch und Bratwürste ein, sondern dachten auch an Getränke und ans Frühstück. Dann ging es zum Bahnhof. Suandins Zug hatte Verspätung und es war ziemlich kalt. So entschlossen sich einige schon zurück zu fahren und den Grill anzufeuern, damit wir was zu essen bekamen. Die im Zeltlager verbliebenen hätten gerne den grill angezündet, allerdings wurde die Kohle in Negs Kofferraum spazieren gefahren. Zu allem Übel fehlte bei einem Grill der Rost, der lag beim Besitzer zu hause frisch gesäubert in der Küche. Deshalb fuhren einige noch an eine Tankstelle u einen Grill zu kaufen, denn 15 Leute mit einem Grill zu versorgen hätte sich als zu schwierig erwiesen. Schließlich kam der Zug an du wir führen zurück zum Zeltplatz.
Dort war der Grill zwar an, aber nicht richtig heiß und wir mussten etwas warten, bis das Fleisch draufgelegt werden konnte. Inzwischen war es gegen neun Uhr abends. Doch letztendlich hatte jeder etwas auf dem Teller und man setzte sich in die Weiße Burg um unseren kleinen Tisch herum. Manche hatten Campingstühle mit, andere setzten sich auf Unterlagen, die sie auf den Boden legten. Kurz nach 22 Uhr kam Luthien an. Jeder stellte sich vor und Lu bekam einen Teller und auch etwas zu Essen. An dem Abend wurde viel erzählt, viel gelacht und auch etwas getrunken. Dain verhielt sich vorbildlich, denn er rührte keinen Tropfen Alkohol an. Irgendwann verschwand einer nach dem anderen in seinem Zelt.
Am Morgen erbarmten sich Verin und Lasi und fuhren in das Nachbardorf um Brötchen zu holen. Vielen Dank dabei an Lasi, die für die Brötchen bezahlt hat. Manche waren mit dem Frühstück schon früher fertig und gingen zu den Duschen. Und dann verschwanden Verin, Choirn, Negant, Nocturna und Nienna so langsam nacheinander. Sie bereiteten die Aufgenomenenprüfung für Aldain, Nila und Suandin vor.
Schließlich war es soweit. Die nichts ahnenden Prüflinge mussten sich, „für das Gruppenfoto“, weiß anziehen, wer passende Kleidung anhatte, warf sie sich über. Dann gingen wir los, alle hinter Verin her. Die holte einen anderen Camper herbei, der die Gruppenfotos machte. Danach gingen wir weiter und stellten uns in der Nähe des Pferdestalles auf. Verin las einen Brief unserer Mutter vor und wurde von einem Pferd, das an den unpassendsten Stellen wieherte, immer wieder unterbrochen. Schließlich begann die Prüfung. Jeder hatte seine Aufgabe. Ich fungierte als Paparazzi, genauso wie Lasi. Nienna hatte mir ihren Fotoapparat anvertraut, leider war der Akku alle. Zu allem Überfluss schienen meine Batterien auch noch schlappzumachen. Sie überlebten aber die drei Prüfungen, da ich den Fotoapparat immer an und ausmachte.
Nach der Prüfung fuhr Luthien wieder ab und wir fuhren nach Eisenach um dort nach einem Restaurant zu suchen, das eine so große Gruppe wie die unsere unterbringen konnte und auch preislich in Ordnung war. Irgendwann fanden wir ein italienisches Restaurant bei dem es Pizza und Pasta für so um die 5 Euro gab. Nach dem Essen gingen wir in die Stadt und sahen uns etwas um. Unter anderem fanden wir das dünnste Haus Deutschlands. Nachdem wir etwas herumgestreunt waren, fuhren wir zurück. Dort begannen wir mit der Diskussion über die Revisionsthemen. Nachdem irgendwann alle durcheinander redeten, ließen wir eine Flasche kreisen. Derjenige, der sie in der Hand hatte durfte reden und wenn er fertig war, gab er sie an den ersten weiter, der sich gemeldet hatte.
Negant schrieb zusammenfassend alles auf. Danach gingen wir im Gasthaus am Zeltplatz Abendbrot essen. Teilweise gingen dort die Revisionsgespräche weiter. Schließlich gingen die meisten zurück zu den Zelten, die anderen blieben ort, redeten und labten sich an einer Flasche Wein.
Am Zeltplatz erwarteten uns zwei Überraschungen. Es hatte geregnet und obwohl wir alles unterm „die Weiße Burg-Pavillon“ hatten, waren unsere Sitzgelegenheiten ziemlich nass. Außerdem hatte uns ein wildes Tier einen Besuch abgestattet und dabei ein kleines Chaos angerichtet. Wie schon am Abend zuvor hatte es sich an unseren essbaren Vorräten gütlich getan. Später fing es auch an ziemlich heftig zu regnen, weshalb wir uns in unsere Zelte zurückzogen. Vereinzelte Zelt zu Zelt Gespräche fanden noch statt, aber viele machten sich bettfertig. An diesem Abend ernannte ich Nienna auch zur Herrin der Taschenlampe, die dies sofort an Kai weitergab, die das rote Buch beaufsichtigte. Wenn man den Spruch aus dem Zusammenhang reißt ist er nicht mehr so witzig, aber in dem Moment hatten Nienna und ich laut lachen müssen. Ich hatte ihr die Taschenlampe gehalten, während sie ihren Schlafsack gerichtet hatte. Nachdem sie auch im Schlafsack lag, fragte ich: „Brauchst du noch Licht, oder bist du fertig, sonst ernenn ich dich zur Herrin der Taschenlampe.“
So verzogen wir uns also am letzten Abend recht früh in unsere Zelte. Nienna stand am spätenAbend noch einmal auf und schloss sich einer Gesprächsrunde an die aus Nila, Devon, und Verin, die noch bis 2:30 in der weißen Burg saßen und quatschten.
Am Morgen wachten alle vereinzelt auf und gingen dann zu den Waschräumen. Danach wollten wir gemeinsam im Gasthaus Frühstücken. Wir gegen 9:30 an weshalb einiges schon recht ausgesucht war, aber ab und zu kam jemand und hat das eine oder andere aufgefüllt. Das Frühstück zog sich in die Länge und schließlich wurden wir gebeten uns in einen anderen Raum zu setzen, da das Personal saubermachen wollte. An dem großen Tisch angekommen holten sich einige noch einen Tee und wir begannen wieder zu reden. Letztendlich mussten wir irgendwann gehen, die Zelte waren noch nicht abgebaut, alles musste noch eingeräumt werden. Nienna und ich bauten unser Zelt ab, danach half ich bei jemand anderes mit. Jeder half jedem und so war bald alles in die Wagen verfrachtet. Tak rief seinen Vater an um ihn und Choirn abzuholen und wir setzten uns auf überdachte Holzbänke und redeten weiter. Schließlich kam Taks Vater an. Wir stellten uns in einer Reihe auf und jeweils der erste Umarmte den Zweiten und verabschiedete sich, dann ging er zum Nächsten.
Nach dieser Verabschiedungszeremonie stiegen wir in die Autos und jedes fuhr an seinen Bestimmungsort. Meiner war Berlin, wo ich mich am Hauptbahnhof mit meinen Eltern traf.
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Kurzgeschichtenwettbewerb - von Mina Sogani
Viele unserer Leser werden sich sicher noch an den Kurzgeschichtenwettbewerb erinnern, den wir in der letzten Ausgabe ausgeschrieben haben. Und vor allem die Teilnehmer werden auf das Ergebnis gespannt sein.
Wir hatten sechs Einsendungen, alle wirklich sehr gut und allen Mitarbeitern hat das Herz geblutet, als sie ihre Wahl treffen mussten, welche der Geschichten sie am Besten fanden. Und es war eine schwierige Wahl, obwohl wir nur den Titel der Geschichten und nicht den Autoren unter uns bekannt gegeben hatten um uns nicht von Gefühlen leiten zu lassen.
Nun ist das Ergebnis ausgerechnet und ich darf mich geehrt fühlen der Gewinnerin mit 22 Punkten die goldene Schreibfeder überreichen zu dürfen, Choirn al’Bharuia. Ihre Geschichte „Der Turm“ ist im Avron veröffentlicht.
Die Silberne Schreibfeder geht an Arkendus Tolmashiers „Monolithen“ mit 19 Punkten.
Die Bronzene Schreibfeder geht an Nienna Eärfalas’ „Rückkehr“ mit 18 Punkten.
Danach kommt „Wind“ von Si’kal Su (17 Punkte), danach eine Geschichte ohne Titel von Schureon alBayle (15 Punkte) und „Siegelkunst“ von Aldain Niennor(14 Punkte).
Aber vor allem den drei Letztplatzierten möchte ich sagen, das ihr alle Gewinner seid, denn ihr habt eure Geschichten zur Bewertung an den Avron geschickt, was meist anfangs ein schwerer Schritt ist. Ihr habt gute Geschichten abgeliefert und ein jeder von euch war der Favorit von einem unserer Mitarbeiter. Danke für eure Teilnahme.
So, und jetzt wollen wir euch die Siegergeschichte gar nicht länger vorenthalten, hier kommt "Der Turm" von Choirn al'Bharuia:
Der Turm
Cery schlug die Autotür zu und sah sich um. Hänge erhoben sich zu beiden Seiten des Tales und an seinem Ende glitzerte ein See im Sonnenschein. Die Luft war frisch und kühl und trug einen schwachen Geruch nach Heide und Moor mit sich.
Cery hatte keine Ahnung wie er hierher gekommen war. Er erinnerte sich nicht an die letzten Stunden - oder waren es Tage? - seit er die Tür seines Hauses zugeknallt hatte und ins Auto geflüchtet war um Sarahs anschuldigenden Blicken zu entgehen. Und Ellies.
„Wohin gehst du, Daddy?“
„Weit weg, Kleines.“
„Und wann kommst du wieder?“
„Bald.“
„Versprich es!“
„Ich verspreche es.“
Das war eine Lüge gewesen. Cery bohrte die Hände in die Taschen seiner Jeans und sah auf. Er stand am Rande des Sees, der kurz zuvor noch in der Entfernung geschimmert hatte, und der zuvor noch wolkenlose Himmel war auf einmal mit Wolken bedeckt. Genau in der Mitte des Sees fiel ein breiter Lichtstrahl durch die blaugraue Decke und wo er auf den See traf, glitzerte das Wasser wie ein riesiger Edelstein. Der Strahl wanderte und Steine wurden für Cerys Augen sichtbar als das unwirkliche Licht sie traf. Es war ein Turm. Rund und dunkel ragte er in den Himmel, unübersehbar und doch hatte Cery ihn zuvor nicht wahrgenommen. War er überhaupt da gewesen?
Steine waren aus der Wand um die Türöffnung heraus gebrochen und drohten, unter Cerys Füßen wegzurutschen.
Cery blieb wie angewurzelt stehen, sein Herz raste. Hatte er nicht gerade noch am Rand des Sees gestanden? Er sah sich um. Der See lag ruhig da, dunkel glitzernd im seltsam fahlen Licht. Angst kroch in Cerys Knochen. Widerstrebend, als würde ihn eine andere Macht ziehen, wandte er seine Augen zurück zu dem Turm, der vor ihm aufragte und trat in seinen dunklen Schatten. Schutt knirschte unter seinen Füßen. Seine Augen mussten sich erst an das Dämmerlicht gewöhnen, doch dann erkannte er eine Wendeltreppe, die in dunklen Kreisen hinauf in den Turm führte. Wie von alleine bewegten sich seine Füße darauf zu und stiegen die alten, schwarzen Stufen hinauf.
Cery trat in einen halbrunden Raum, an dessen gegenüberliegender Wand die dunkle Öffnung eines kalten Kamins klaffte. Davor standen zwei alte, staubbedeckte Ledersessel. Ein offenes Fenster überblickte den See und lies goldenes Licht ins Zimmer. Abwesend strich Cery über das abgenutzte Leder. Es mochte einmal rot gewesen sein.
Auf dem Kaminsims stand ein altes Foto. Es zeigte ein kleines Mädchen in einem halblangen Kleid am Ufer des Sees. Obwohl die Farben ausgeblichen waren, konnte man gerade noch erahnen, dass das Kleid einmal blau gewesen sein musste. Sie erschien Cery seltsam bekannt.
Als er das Foto vorsichtig in die Hand nahm und den Staub abwischte, fühlte er einen eisigen Schauer über seinen Rücken laufen. Ellie.
Das Mädchen auf dem Foto war ohne Zweifel Ellie. Aber wie konnte das sein? Cery schauderte. Ein leichter Windhauch wehte durch das Fenster, strich sanft über das Foto und im selben Moment fühlte Cery Augen auf sich ruhen. Er wandte sich um, und für einen Moment erhaschte er etwas Blaues im Augenwinkel, doch als er hinsah, war der Raum leer. Mit zitternden Fingern stellte Cery das Foto zurück an seinen Platz und ging zur Treppe zurück. Etwas Blaues fing seinen Blick am oberen Rand der Treppe und wie von selbst erklommen seine Füße Stufe um Stufe, während sein Blick auf das Ende der Treppe gerichtet war. Nach einigen Stufen hing ein weiteres Foto an der Wand. Auch dieses war verblasst und unscharf, doch Cery hatte keine Schwierigkeiten, das Mädchen im blauen Kleid zu erkennen. Noch während er es betrachtete, spürte Cery wieder die Augen. Er fuhr herum und für den Bruchteil einer Sekunde sah er eine Gestalt am Ende der Treppe. Sie trug ein blaues Kleid. Cery schauderte. „Ellie?“ flüsterte er.
Langsam und zögernd stieg Cery die restlichen Stufen hinauf. Am Kopf der Treppe stand eine Tür halb offen. Vorsichtig drückte Cery sie auf und trat in einen weiteren halbrunden Raum. In der Ecke standen ein Bett, bedeckt von Staub, und an den Wänden hingen verblichene Fotos. Vor dem offenen Fenster stand ein Mädchen in einem blauen Kleid. Ihre blonde Locken wurden von einer blauen Schleife zusammengehalten und fielen auf ihre schmalen Schultern.
Als Cery den Raum betrat wandte sie sich um.
„Ellie“ flüsterte Cery. Das Mädchen lächelte traurig und ging, ohne ihn zu beachten, zu dem Bett, auf dem ein alter Teddy saß. Sie hob ihn auf und sah ihm tief in die braunen Glasaugen. „Daddy kommt bald wieder. Er hat es versprochen,“ flüsterte sie dem Teddy zu und drückte ihn fest an sich. Eine Träne rann aus über ihre Wange, als sie mit dem Teddy zurück zum Fenster ging und auf den See hinaus starrte. „Daddy hat es versprochen.“
Cery schluckte. „Ellie,“ flüsterte er wieder. „Ich bin doch da, mein Schatz. Daddy ist da.“ Er machte einen Schritt auf sie zu, doch das Mädchen reagierte nicht. Unsicher machte Cery noch einen Schritt und streckte die Hand nach ihr aus. Seine Finger griffen nur Luft. Mit aufsteigender Panik versuchter er erneut, nach dem Mädchen zu greifen, doch seine Finger glitten einfach durch sie hindurch.
„Daddy… Ich will, dass mein Daddy wiederkommt,“ flüsterte das Mädchen leise. Ohne Cery zu beachten ging sie an ihm vorbei zur Tür und verschwand. Cery stand einen Moment zitternd da, bevor etwas in ihm brach.
„Ellie!“ Wie hatte er sie nur alleine lassen können? Mit einem Schrei stürzte er hinter dem Mädchen her, doch als er das Treppenhaus erreichte, war es leer. Er rannte die Treppe hinauf, durch leere Räume, verlassene Zimmer, weiter hinauf, hinunter, das Mädchen war fort. Heftig atmend und mit Tränen in den Augen fand sich Cery schließlich in dem Raum mit dem Bett wieder. Er wusste nicht, wie spät oder welcher Tag es war, es machte keinen Unterschied für ihn, denn er wusste, was er tun musste.
Der See glitzerte wie ein riesiger Edelstein, als Cery die staubige Straße zurück zu seinem Auto ging, das in einiger Entfernung am Straßenrand stand.
Als Cery die Wagentür öffnen wollte, fand seine Hand ein Stück Papier in seiner Tasche. Es war das verblichene Foto des Mädchens am See. „Ich komme, Ellie, ich hab es doch versprochen,“ flüsterte Cery. Noch während er schaute, veränderten sich die Farben des Fotos, wurden kräftiger, die Umrisse schärfer, bis Cery auf ein leuchtendes Foto seiner Tochter blickte. Sie lächelte.
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